erotische Erlebnisse

Maison Noir – Monat 3, Kapitel 3: Die Tat (II)

Bisher im Maison Noir: In der Bibliothek haben Leo und Hannah zum ersten Mal in zwölf Jahren Freundschaft die Grenze überschritten, die sie immer zwischen sich gehalten hatten. Doch mitten in der Nacht meldet sich die Wirklichkeit zurück.

Später, als sie nebeneinander auf dem großen Ledersofa der Bibliothek lagen, die Rollen für den Moment abgelegt, spürte Hannah, wie die vertraute Stille zwischen ihnen anders klang als sonst – nicht unangenehm, aber schwerer, aufgeladen mit allem, was in den letzten Stunden unausgesprochen mitgeschwungen hatte.

„Das war nicht nur ein Spiel für mich”, sagte Leo schließlich, seine Stimme wieder die vertraute, aber leiser als sonst. „Ich glaube, das musst du wissen.”

Hannah richtete sich auf, sah ihn an. Zwölf Jahre lang hatten sie beide so vorsichtig um dieses Gespräch herumgetanzt, dass sie fast vergessen hatte, wie es sich anfühlte, wenn er ganz ehrlich mit ihr war. „Seit wann?”, fragte sie, obwohl ein Teil von ihr die Antwort schon ahnte.

„Seit Jahren”, gab er zu. „Ich habe es mir nie erlaubt, es auszusprechen, weil ich Angst hatte, dich zu verlieren, wenn ich mich irre. Du warst – bist – die einzige Konstante, die ich hatte, während alles andere in meinem Leben instabil war.”

Hannah schwieg einen Moment, spürte, wie viele Jahre in diesem einen Satz mitschwangen. „Ich dachte, ich bilde mir das nur ein”, sagte sie schließlich. „Jedes Mal, wenn zwischen uns etwas zu kippen schien, habe ich es weggeredet. Aus Angst, dass ich mir etwas einbilde, das nie da war.”

„Und jetzt?”, fragte Leo.

„Jetzt weiß ich, dass es nicht eingebildet war”, sagte sie. „Was mich mehr beunruhigt, als es mich erleichtert.”

Er nahm ihre Hand, strich mit dem Daumen über ihre Fingerknöchel, eine Geste, die ihr vertraut war und doch heute Nacht etwas anderes bedeutete als all die Jahre zuvor. „Ich weiß nicht, wie wir das wieder einpacken sollen, wenn wir morgen früh auschecken”, sagte er ehrlich. „Ich weiß nicht, ob ich das überhaupt will.”

„Ich auch nicht”, sagte Hannah. „Aber ich weiß auch nicht, was es bedeutet, wenn wir es nicht einpacken. Ob wir dann noch die sind, die wir die letzten zwölf Jahre füreinander waren.”

Die Frage blieb zwischen ihnen im Raum stehen, schwerer als alles, was in dieser Nacht zuvor zwischen ihnen geschehen war – nicht als Drohung, sondern als eine Wahrheit, die beide zum ersten Mal offen aussprachen, ohne zu wissen, wohin sie sie führen würde.

Draußen vor den hohen Bibliotheksfenstern dämmerte es bereits, und keiner von beiden hatte in dieser Nacht auch nur eine Sekunde geschlafen – zu beschäftigt damit, eine Freundschaft neu zu vermessen, die sie beide für längst kartiert gehalten hatten.

(Fortsetzung folgt nächsten Sonntag mit Kapitel 4 – dem Abschluss von Monat 3.)

Was würdet ihr an Hannahs Stelle tun – das Risiko eingehen oder die Freundschaft schützen? Diskutiert mit uns in den Kommentaren!