erotische Erlebnisse

Maison Noir – Monat 3, Kapitel 2: Die Tat (I)

Bisher im Maison Noir: Leo und Hannah, seit zwölf Jahren beste Freunde, wagen in der Bibliothek des Hauses, ihren alten Insiderwitz über „Professor und Studentin” endlich auszuprobieren. Die Rollen sind verteilt. Jetzt beginnt das Spiel wirklich.

Leo nahm das aufgeschlagene Buch vom Schreibtisch und reichte es ihr, sein Finger auf eine Zeile deutend. „Lesen Sie mir das vor”, sagte er. „Ich möchte hören, ob Sie wenigstens die Betonung verstanden haben.”

Hannah nahm das Buch, ihre Finger leicht zitternd – nicht aus Unsicherheit über den Text, sondern über die Nähe zwischen ihnen, die plötzlich anders geladen war als all die Jahre zuvor. Sie las langsam, bewusst, jedes Wort ein kleiner Versuch, ihre eigene Stimme in dieser neuen Rolle zu finden.

„Besser”, sagte Leo, als sie geendet hatte, und trat einen Schritt näher, sodass sein Schatten über die Seite fiel. „Aber ich glaube, Sie könnten mehr Anstrengung zeigen.”

„Ich strenge mich an, so gut ich kann, Herr Professor”, erwiderte Hannah, und in ihrer Stimme lag jetzt eine Frechheit, die ihr im echten Leben nie erlaubt gewesen wäre – gegenüber Leo, ihrem ältesten Freund, mit dem sie sich sonst nur über Netflix-Serien und schlechte Dates austauschte.

Er lehnte sich gegen die Schreibtischkante, verschränkte die Arme, betrachtete sie mit einer Ruhe, die ihr fast unheimlich vorkam – nicht, weil sie ihm nicht traute, sondern weil sie diese Seite an ihm nie hatte kommen sehen, in all den Jahren, in denen sie geglaubt hatte, ihn vollständig zu kennen.

„Stehen Sie auf”, sagte er.

Sie tat es, und für einen Moment standen sie sich gegenüber, näher als jemals zuvor in zwölf Jahren Freundschaft, ohne dass einer von beiden den ersten Schritt wagte. Es war Hannah, die schließlich die Distanz überbrückte, ihre Hand auf sein Revers legend, mit einer Geste, die halb Spiel, halb echte Nervosität war.

„Ich glaube, ich brauche Nachhilfe”, flüsterte sie, und der Satz, der vor Wochen noch ein Witz gewesen wäre, klang jetzt wie ein Geständnis.

Leo hob ihr Kinn mit zwei Fingern an, sah sie an, wie er es noch nie zuvor getan hatte – ohne die Leichtigkeit, mit der sie sonst miteinander redeten, sondern mit einer Intensität, die von zwölf Jahren aufgeschobener Ehrlichkeit sprach. „Dann sollten wir damit anfangen”, sagte er leise, „dass Sie lernen, mir zuzuhören.”

Was folgte, war behutsam, fast zögerlich zunächst – zwei Menschen, die einander in- und auswendig kannten, und die trotzdem, oder gerade deswegen, jede neue Berührung wie eine kleine Entdeckung behandelten. Leos Hand in Hannahs Nacken, sein Mund an ihrem Ohr, ihre eigene Stimme, die zwischen Ernsthaftigkeit und dem alten, vertrauten Lachen schwankte.

Im warmen Licht der Leselampe, umgeben von Regalen voller Bücher, die niemand von ihnen je lesen würde, verschmolzen zwölf Jahre Freundschaft mit etwas Neuem, das keiner von beiden hätte benennen können, ohne es zu verkleinern.

(Fortsetzung folgt nächsten Sonntag mit Kapitel 3.)

Könntet ihr eine jahrelange Freundschaft so riskieren? Schreibt es uns in die Kommentare!