erotische Erlebnisse

Maison Noir – Monat 4, Kapitel 2: Die Tat (I)

Bisher im Maison Noir: Nora, Tobias und Sofia haben sich bewusst und offen füreinander entschieden – die Regel des Wintergartens verlangt, dass jedes Gefühl ausgesprochen wird, auch die unbequemen. Jetzt beginnt die eigentliche Nacht.

Es war Sofia, die den ersten Schritt wagte, ihre Hand behutsam auf Tobias’ Brust legend, während sie Nora dabei nicht aus den Augen ließ – eine stille Frage, die keine Worte brauchte. Nora nickte, und in diesem Nicken lag mehr Zustimmung, als sie in Worten hätte ausdrücken können.

Tobias’ Hand fand Sofias Nacken, sanft, fast zögerlich, als würde er sich noch immer vergewissern wollen, dass dies wirklich geschah. Nora beobachtete die beiden für einen Moment, spürte eine Wärme in sich aufsteigen, die sie nicht erwartet hatte – nicht Distanz, sondern eine Art stolzer Zärtlichkeit, den Mann, den sie liebte, so unverstellt begehrt zu sehen.

„Komm her”, sagte Sofia zu ihr, streckte ihr die Hand entgegen, und Nora rutschte näher, bis alle drei sich in einem Kreis aus Berührungen wiederfanden, in dem keiner allein blieb.

Im warmen Kerzenlicht des Wintergartens, umgeben von schweren Blättern und dem leisen Plätschern eines kleinen Brunnens irgendwo zwischen den Pflanzen, verloren die drei jedes Gefühl für Zeit. Noras Lippen fanden Sofias Schulter, während Tobias’ Hände über Noras Rücken glitten, jede Berührung eine kleine Bestätigung, dass niemand hier vergessen wurde.

„Alles gut?”, fragte Tobias zwischendurch, an niemanden bestimmten gerichtet, und die Frage hing nicht als Unterbrechung im Raum, sondern als selbstverständlicher Teil dessen, was sie sich versprochen hatten.

„Alles gut”, bestätigte Sofia, ihre Stimme atemlos, aber sicher.

Nora wollte gerade dasselbe sagen, als sie innehielt. Etwas in ihrer Brust zog sich zusammen – nicht dramatisch, aber deutlich genug, dass sie es nicht ignorieren konnte. Sie beobachtete, wie Tobias sich Sofia zuwandte, mit einer Aufmerksamkeit, die ihr plötzlich fremd vorkam, obwohl sie genau das die letzten Wochen herbeigesehnt hatte.

„Warte”, sagte Nora leise, und beide hielten sofort inne, genau wie sie es sich versprochen hatten.

„Was ist los?”, fragte Tobias, seine Stimme sofort besorgt, jede Spur von Verlangen für den Moment beiseitegeschoben.

Nora zögerte, überrascht von der eigenen Ehrlichkeit, die die Regel des Zimmers von ihr verlangte. „Ich glaube”, sagte sie langsam, „ich fühle gerade etwas, das ich nicht erwartet hatte. Nicht, dass ich das hier nicht will. Aber für eine Sekunde hat es wehgetan, dich so mit ihr zu sehen.”

Die Worte hingen im Raum, ehrlicher als alles, was in dieser Nacht zuvor gesagt worden war.

(Fortsetzung folgt nächsten Sonntag mit Kapitel 3.)

Was würdet ihr an Noras Stelle tun, wenn plötzlich Eifersucht aufkommt? Verratet es uns in den Kommentaren.