erotische Erlebnisse

Maison Noir – Monat 3, Kapitel 4: Der Nachhall

Bisher im Maison Noir: In der Bibliothek haben Leo und Hannah zum ersten Mal ausgesprochen, was zwölf Jahre lang unter ihrer Freundschaft lag. Am Morgen danach müssen sie entscheiden, was mit dieser Wahrheit geschehen soll.

Sie checkten schweigend aus, nicht aus Verlegenheit, sondern weil beide spürten, dass jedes vorschnelle Wort das, was in dieser Nacht entstanden war, entweder zu klein oder zu groß machen würde. Gabriel wartete an der Rezeption, sein Buch wie immer aufgeschlagen.

„Die Bibliothek hat schon viele alte Geschichten neu geschrieben”, sagte er, ohne dass jemand ihn gefragt hätte. „Manche Gäste gehen als das Paar, das sie hier erst geworden sind. Andere gehen als die Freunde, die sie schon immer waren – nur ehrlicher miteinander. Beides ist ein Weg, der hierher zurückführen kann.”

Hannah warf Leo einen Blick zu, unsicher, was von beidem für sie zutraf. Vor der Tür des Hauses, im blassen Licht des frühen Morgens, blieben sie stehen, unschlüssig, wie man sich nach einer Nacht verabschiedet, die alles verändert haben könnte oder nichts, je nachdem, was als Nächstes gesagt wurde.

„Ich will nicht so tun, als wäre gestern Nacht nichts gewesen, wenn wir Montag wieder telefonieren”, sagte Leo schließlich. „Aber ich will auch nicht, dass wir uns überstürzen und am Ende beides verlieren – die Freundschaft und das, was das hier sein könnte.”

Hannah nickte langsam. „Ich brauche etwas Zeit”, gab sie zu. „Nicht, weil ich mir nicht sicher bin, was ich fühle. Sondern weil ich zwölf Jahre gebraucht habe, um zu merken, was ich fühle, und ich will nicht, dass wir das jetzt in einem einzigen Wochenende klären müssen.”

„Also, was jetzt?”, fragte Leo, und zum ersten Mal an diesem Morgen klang er unsicher, ein Zustand, den Hannah an ihm aus zwölf gemeinsamen Jahren kaum kannte.

„Jetzt fahren wir nach Hause, jeder für sich”, sagte Hannah. „Und in ein paar Tagen reden wir – nicht als Professor und Studentin, sondern als wir selbst. Ganz ohne Rollen.”

Leo lächelte, zum ersten Mal seit Stunden ohne die Anspannung, die die ganze Nacht über zwischen ihnen gelegen hatte. „Das klingt”, sagte er, „nach dem ehrlichsten Vorschlag, den einer von uns beiden seit zwölf Jahren gemacht hat.”

Sie umarmten sich zum Abschied, länger als sonst, und in dieser Umarmung lag weder ein Versprechen noch eine Absage – nur die stille Übereinkunft, dass etwas Neues begonnen hatte, dessen Ausgang noch offen war.

Als Hannah sich auf den Heimweg machte, warf sie noch einen letzten Blick zurück auf das unscheinbare Hotel, das drei Monate zuvor auch schon Maya und Julian, Viktor und Eleni empfangen hatte – jedes Mal ein anderes Paar, ein anderes Zimmer, eine andere Geschichte, die im selben diskreten Haus ihren Anfang genommen hatte. Sie fragte sich, wessen Geschichte als Nächstes hinter dieser Tür beginnen würde.

(Ende von Monat 3 und damit des ersten Quartals im Maison Noir. Wie es weitergeht, erfahrt ihr in den kommenden Wochen.)

Was, glaubt ihr, wird aus Leo und Hannah? Und welches Zimmer im Maison Noir würdet ihr euch als Nächstes wünschen? Schreibt es uns in die Kommentare!